Unsere Kleingartenanlage in der Schulstraße in Mahlow

 

 

Heute, 2016, versuche ich es einmal,  zusammen zu bekommen, wie alles begann.

 

Im Frühjahr 1982 wurden wir gefragt, ob wir Interesse an einem Kleingarten hätten. Im Herbst 1981 wurde der neu KGV gegründet. Dort sind Parzellen frei geworden, weil Leute abgesprungen sind. 

Wir trafen uns also mit der Vorsitzenden und sie zeigte uns das Projekt auf dem Papier. Es gefiel uns. 

35 Parzellen und ein Spartenheim sollten dort entstehen. Wir sagten zu und trafen uns am nächsten Wochenende in Mahlow, wo uns die zu bebauende Parzelle erwartete. 

 

Es war ein ehemaliges Feld der LPG, was sich  zur Bewirtschaftung als unrentabel erwies. Kein Baum, kein Strauch, überall Pflöcke im Boden und Kies- und Steinhaufen . Irgendwo dazwischen 4 Pflöcke,

die Ecken unseres zukünftigen Gartens, ein Haufen Kies und Steine (wurde zentral beschafft).   

Zement, der auch zum Bauen benötigt wird, war in einer Scheune in Glasow eingelagert. Er war so berechnet, dass jeder eine bestimmte Anzahl Säcke bekommen sollte. Ich weiß bis heute nicht, wer unseren Zement verbaut hat,

 

Dann begannen  die Arbeiten. 

Grundstücke vermessen, Kredit besorgen, Bungalow bestellen, Fundament für den Bungalow vermessen, Ringfundament ausheben, Fundament herstellen.

Zwischenzeitlich musste aber auch der Zaun für die gesamte  Anlage aufgestellt werden. 

Ein Glück, dass wir Freunde hatten. Sie haben uns viel geholfen.  Allein hätten wir die Arbeit  in der Zeit nicht geschafft.

Dann kam auch noch die Materialbeschaffung dazu, welche auch aufwendig war.

 

Auf dem gesamten Gelände gab es bald eine einzige Pumpe. Dort hieß es, nach Wasser anstehen. Strom gab es nicht und es musste von Hand gepumpt werden und der Beton von Hand gemischt werden. Die anderen 34 Erbauer wollten auch Wasser. So hatte es manchmal etwas gedauert. Zum Glück aber war unser zukünftiges Grundstück nicht so weit entfernt. Die Eimer mussten also nicht so weit getragen werden. 

Später wurde dann das Gelände für das Spartenheim verkleinert und eine weitere Parzelle konnte noch vergeben werden.

 

Bei den Arbeiten hat es mal geschneit, mal geregnet und der Trabbi musste zum Aufwärmen und zum Trocknen herhalten. Das erste „Gebäude“ auf der gesamten Anlage war ein Herzhäuschen. Das zu bauen  war dringend notwendig. Dadurch hatten wir auch die Möglichkeit, unsere Werkzeuge einzuschließen. 

 

Dann wurde der Bungalow angeliefert. Beim Warten auf die Lieferung kam ein Kumpel auf die Idee, einen kleinen Keller vorzusehen, um mal etwas kühl zu stellen. Wir wussten ja nicht, wie und wann  es mit dem Strom etwas wird.  Da der Fußboden noch nicht fertig war, machte das keine Probleme die entsprechende Grube auszuheben. Die Idee war nicht die Schlechteste.  

 

Der Bungalow kam und wurde in Augenschein genommen. Es wurde kritisch beäugt und reklamiert. 

Das Ringfundament war inzwischen fertig.

Nachdem die beanstandeten Teile ausgetauscht waren, konnte mit der Aufstellung begonnen werden. Beim Dachdecken überraschte uns ein schweres Gewitter. Ehe ich vom Dach runter kam, war ich durchgeweicht. Zum Glück war aber schon ein Teil des Daches fertig und die Untenstehenden konnten sich wenigstens unterstellen. 

Irgendwann war das Dach fertig gedeckt. Die Zwischenwände konnten gestellt werden und die Elektrokabel in Decke und Boden gelegt werden. Die Decke wurde geschlossen und auf den Boden kamen Sauerkohlplatten und Estrich. 

 

  

Zu erwähnen wäre vielleicht auch noch eine Episode mit einem Nachbarn.

 

Der Nachbar hatte sich Fertigbeton bestellt, der am Nachmittag geliefert werden sollte. Er  hatte  sich einen Maurer bestellt, der seinen Fußboden machen sollte. Der Beton kam aber erst sehr spät, so dass er nicht mehr bei Tageslicht verarbeitet werden konnte und Einiges übrig blieb. Der Maurer machte dann aber den Fußboden bei Kerzenlicht und einer Stirnlampe. Meine Bitte nach 2 Eimern Beton zur Fertigstellung meines Fußbodens in der Kammer wurde zunächst abgelehnt. Später bekam ich sie dann aber doch noch.

Am nächsten Tag war dann der nicht verbrauchte Beton ein kompakter Klotz auf dem Weg, der im Laufe der Zeit mit Hammer und Meißel entfernt werden musste.

 

Parallel zum Bau versuchten wir, das Land zu kultivieren. Der Boden musste begradigt und Senken aufgefüllt werden. Einheimische verkauften uns Pflanzen, die aber nicht immer das wurden, als was sie verkauft wurden. Es muss auch eine Menge Unkraut dabei gewesen sein.

Ein Beet sollte zum Zwiebelanbau vorbereitet werden. Nachdem alle Zwiebeln ordentlich in den Boden gebracht waren, sind wir auch mal gucken gegangen, wie weit die Anderen so mit ihren Arbeiten sind. Ein Gartenfreund hatte seine Zwiebeln nur von oben so einen Zentimeter tief in die Erde gedrückt. Wir haben gelächelt. Nachdem wir aber sahen, dass die Anderen es auch so machten, haben wir unsere Zwiebeln schnell wieder ausgegraben. Bis auf ein oder zwei Stück haben wir alle wiedergefunden. Dann haben wir es auch so gemacht und es sind tatsächlich welche gewachsen. 

 

Dann musste aber erst einmal Wasser her. Die Pflanzen wollten es so. Laut Projekt war ein Brunnen für 3 Parzellen vorgesehen. An der Grenze zur Nachbarparzelle sollte die Bohrung erfolgen. Die Bohrung erfolgte, das Brunnenhaus wurde gebaut  und eine Doppelkolbenpumpe wurde montiert. Nun hatten wir Wasser und konnten im Wechsel unsere Ländereien berieseln, aber immer in Handarbeit.

 

Wir wollten auch eine gemeinsame Fäkaliengrube für 3 Parzellen bauen, eine Kleinkläranlage mit einem Fassungsvermögen von etwa 6 m³, da Brunnenringe schwer erhältlich waren. 

Zweifel kamen auf, als die Entfernung der Kleinkläranlage zu unserem Bungalow  in Augenschein genommen wurde. Wir entschlossen uns zum Kauf einer Eigenen, obwohl es damals  viel Geld war.

Das haben wir aber bis heute nicht bereut. Wenn die Grube geleert werden muss, wissen wir, wer sie gefüllt hat. 

Auf einer Parzelle fehlte mal ein Brunnenring beim Bau der Abwassergrube. Das Geschrei war groß. Er wurde aber wieder gefunden. Er war nur, als die Leute Mittagspause gemacht haben, im Erdreich versunken, weil es Schichtenwasser gibt und der Boden zu weich war.

 

Irgendwann hieß es dann auch Gräben schaufeln,  wir bekommen Strom. Es wurde geschaufelt und dann die Kabel verlegt und die Bungalows angeschlossen. Das war ein Fest als das erste Mal Licht brannte und ein Kühlschrank in Betrieb genommen werden konnte.

 

Später wurden dann die Wege ordentlich angelegt  und einige  Jahre später Laternen aufgestellt.

 

Es gab Arbeitseinsätze, die zur Verschönerung der Anlage dienten. 

 

Nebenbei wurde auch ein Vereinshaus gebaut und fleißig gefeiert. Frühschoppen, Sommerfest, Herbstfest. Es gab immer einen Grund. 

 

Heute, 2016, sind nur noch 6 Parzellen mit Urgestein  (von 36) auf der Anlage. Die anderen Gärten haben inzwischen ein-  oder mehrmals ihren Besitzer gewechselt. Die Gemeinsamkeit von früher ist nicht mehr so vorhanden.

Das liegt vielleicht daran, dass sich einige der  „Neuen“ nicht vorstellen können, wie wir einmal angefangen haben und dass sie  eine andere Vorstellung vom Kleingarten und von Gemeinschaft haben.

Sie haben vielleicht nur einen Spielplatz für ihre Kinder oder einen Grillplatz gesucht. Oder sie haben sich nicht überlegt, worauf sie sich eingelassen haben. Vielleicht haben sie auch den Pachtvertrag und das Bundeskleingartengesetz nicht richtig gelesen.